Reiselust im Anthropozän? Storytelling und Träume als kritische Methoden
FS 2024 + HS 2024: Projektseminar
Wahlpflicht MA, zwei-semester, 12 ECTS
Dozentinnen: Dr. Helene Romakin, Berit Seidel
Lehrstuhl: Prof. Dr. Bärbel Küster
Gefördert von der Universitären Lehrforschung (ULF)
zweiwöchentlich, donnerstags 16:15-20 Uhr | 22.02.24 | 07.03.24 | 14.03.24 | 11.04.24 | 25.04.24 | 16.05.24 | 30.05.24
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Die globalisierte Welt mit der Selbstverständlichkeit des Reisens für Recherchezwecke oder auch als Tourismus ist durch die in der Klimakrise zunehmend auftretende Naturkatastrophen stark beeinträchtigt. Weltweit stehen Universitäten vor der Herausforderung, nachhaltiges Forschen und Lehren zu ermöglichen und zu etablieren. Zum wissenschaftlichen Arbeiten gehören vor allem Dienstreisen der Mitarbeitenden, um Symposien, Konferenzen oder Summer Schools zu besuchen. Die UZH hat zum Klima‐Neutralitätsziel 2030 erklärt, die flugbedingten Treibhausgas-Emissionen deutlich zu reduzieren. Das Seminar befasst sich mit Reisen aus kunsthistorischen Perspektiven und hat zum Ziel, ein neues Lehrformat zu etablieren, welches die vorherrschende Reisenotwendigkeit in Lehre und Forschung kritisch betrachtet.
Gemeinsam suchen wir nach möglichen Alternativen aus der Perspektive von post-anthropozentrischen und postkolonialen Diskursen. Die Studierdenden erlernen experimentelle Methoden in ihrer Disziplin: Das spekulative Storytelling mithilfe von Aufmerksamkeitsübungen, Fiktionen, Träumen, Annäherung an künstlerische Methoden erlaubt es, neue analytische und kreative Horizonte zu öffnen, die die methodische Vielfalt innerhalb der Disziplin der Kunstgeschichte für das Zeitalter des Anthropozäns erweitern.
Kursplan: Das Frühjahrssemester dient der Auseinandersetzung mit den theoretischen Grundlagen sowie der Einarbeitung in die neuen Methoden. Das Seminar ist in Themenblöcken eingeteilt. Jeweils nach einem gemeinsam ausgearbeiteten Thema werden Schreibübungen, die anschließend im Seminar mit Studierenden besprochen werden, eingeführt. So erhalten die Studierenden während des Seminars durchgehend Feedback und können ihre Fragen und Unsicherheiten jederzeit äußern und ausarbeiten. Das Herbstsemester wird einen praktischen, transdisziplinären Fokus haben. Da es sich beim Output des Seminars um audiovisuelle, zeitbasierte Formate handeln kann, erfordert es zusätzlichen Arbeitsaufwand im Vermitteln und Betreuen der Arbeiten.
Nach einer Einführung in den Anthropozändiskurs sowie die Methoden des Storytelling und Träumens vertiefen wir uns in die Themenblöcke wie «Imagination Landschaft» und «Fiktion und Fakt» anhand der künstlerischen Beispiele wie Caspar David Friedrich und Pierre Huyghe, sowie Ausstellungen, wie z.B. «Ferne so nah, Künstler und ihre Reisen,» Kupferstichkabinett Dresden, 2023. Entlang der Ausstellung «Paul Gauguin: Why are you angry?», Alte Nationalgalerie Berlin, 2022, (mit Werken von Paul Gauguin, Angela Tiatia, Yuki Kihara, Nashashibi/Skaer, Henri Hiro) diskutieren wir Begriffe wie «Exotismus» sowie feststehende Konzepte wie «Der Künstler als Zivilisationsflüchtling» und kritische zeitgenössische Praktiken, in denen Künstler*innen als dekolonisierende Beobachter*innen wirken. Anschließend betrachten wir die Denkbilder von Künstler*innen als Ethnograf*innen und Anthropolog*innen, indem wir uns Werken von Maya Deren und Leonore Mau zu Haiti nähern, und diese aktuellen Perspektiven zu der haitischen Diaspora in der Schweiz, aufgearbeitet von Madafi Pierre, gegenüberstellen.